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Bericht zum Tutorial
"Einführung in wissensorganisatorische Aspekte
bei der Nutzung und Bereitstellung fachlicher Internet-Ressourcen"
Das Tutorial 3: "Einführung in wissensorganisatorische Aspekte bei der
Nutzung und Bereitstellung fachlicher Internet-Ressourcen" im Rahmen
der 5. Deutschen Tagung der Internationalen Gesellschaft für
Wissensorganisation (ISKO) fand am 8.10.97 in Berlin im bewußt
kurzgefaßten Zeitrahmen von 2 Stunden statt. Ziel war es, in
Arbeitsmittel und Wissensstand auf dem Gebiet der Wissensorganisation
im Internet einzuführen, und zwar mit einem ersten einführenden Teil
"Systematische Informationsbeschaffung und -verteilung im Internet"
(Peter Ohly, IZ Sozialwissenschaften) und einem zweiten
weiterführenden Teil "Metainformation als Ansatz zur Integration
verteilter Informationen im Internet" (Alexander Sigel, GMD). An
beiden Teilen nahmen je etwa 10 Personen teil.
Im ersten Teil wurde zunächst auf die Unterscheidung Suchmaschinen und
Kataloge (Browsing Services) eingegangen, um dann einige typische
Suchmaschinen und ihre Spezifika bei der Suchformulierung (u.a. anhand
der Suchfrage "ISKO") vorzustellen. Dem wurden systematische Zugänge,
wie bei Yahoo oder DINO, gegenübergesetzt. Bessere auf Fachinformation
abgestimmte Zugaenge boten Clearinghouses, die unterschiedlich
universale Zugänge oder engere fachspezifische Zugänge zu bewerteten
Informationen ermöglichen. Speziell wurden Akquirierung, Auswahl und
Präsentation im GESIS SocioGuide, einem deutschen Clearinghouse für
die Sozialwissenschaften, erläutert. Ein weiterer Punkt bildeten die
Zugangsmöglichkeiten zu Beständen der deutschen
Universitätsbibliotheken: integriert im Karlsruher Virtuellen Katalog,
oder nach einzelnen Bibliotheken pro Ort in WEBIS, des weiteren
Sondersammelgebiete in WEBIS und der Aufsatzbestellservice JASON.
Hieran anschlie&szglig;end wurde die Notwendigkeit der effizienten Verwaltung
von gefundenen Internet-Adressen (Bookmarks) angesprochen, wie sie mit
Netscape oder der zusätzlichen Software SmartBookmarks möglich ist.
Hierdurch ist eine Sortierung, Umbenennung und Deskribierung der
Adressen und eine Umwandlung in oder aus einer Internetseite möglich.
Einen weiteren Komplex bildete die spezielle Art des Zitierens von
gefundenen WWW-Dokumenten. Hier hat der MLA-Style, wie auch die
ISO-Norm 690-2 eine größre Verbreitung gefunden. In Anbetracht der
Dynamik dieses Mediums sind Adress- und Zeitangaben von besonderer
Bedeutung. Wie man von einer Textverarbeitung auf eine HTML-Editierung
umsteigen kann, welcher Art die Konvertierung ist und was bei der
Erstellung von HTML-Seiten beachtet werden sollte, wurde u.a. anhand
des Yale Style Guide und des HTML-Handbuches von Münz erläutert. Da es
nicht ausreicht, eine HTML-Seite zu gestalten, sondern sie auch in der
WWW-Community publik zu machen, wurde auf Möglichkeiten, seine Seiten
zu testen, Verweisung hierauf zu finden und sie bei Suchmaschinen
anzumelden, eingegangen. Schließlich erfolgte noch ein Hinweis auf die
wichtigsten eMail-Diskussionslisten für Informationsvermittler. Die in
diesem ersten Teil des Tutorials gezeigten, bzw. empfohlenen
HTML-Seiten finden sich bis auf weiteres frei zugänglich unter der
Adresse
http://www.bonn.iz-soz.de/wiss-org/isko-tut.htm.
Der zweite Teil des Tutorials (9 Folien unter
http://www.isko.org/WG/KO-and-Internet/Tutorial/index.htm)
behandelte Metainformationen als wichtige Grundlage für die Beschreibung
und Integration von fachlichen Internet-Angeboten durch Clearinghouses
und skizzierte damit mögliche Leistungen, speziell die Unterstützung
durch Informationsagenten. Dies wurde an mehreren Beispielen verdeutlicht,
darunter der GESIS SocioGuide, das Deutsche Agrarinformationsnetz,
mathematische Preprints (Mathematics Metadata Markup) sowie eine
elektronische Bibliothek im Bereich der Ingenieurwissenschaften.
Erste Werkzeuge für die Metadaten-Erstellung wurden demonstriert
(DC Metadata Creator, Nordic Metadata Creation Tool).
Die Erstellung strukturierter Metainformation für elektronische
Dokumente (URC - Uniform Resource Characteristics) wurde eingeordnet
als Anwendung der Methoden der Klassifikation und Indexierung, an die sich
nun veränderte Anforderungen stellen. Im Vordergrund stand die Beschreibung
inhaltsbezogener Dokument-Attribute, nicht die Formalerschließung.
Der Stand der Metadaten-Standardisierung nach Dublin Core bis vor die
5. Int. Metadatenkonferenz in Helsinki wurde mit seinen 15 Kernelementen
dargestellt, wobei der Grundgedanke hervorgehoben wurde, nur solche
Attribute zu beschreiben, die für das Wiederfinden der Dokumente zentral sind.
Es wurde verwiesen auf aktuelle Entwicklungen, insbesondere das Resource
Description Framework (RDF), welches einen interoperablen Beschreibungsrahmen
für Metadaten bereitstellt, sowie die Darstellung mittels Extended Markup
Language (XML). Hinweise gab es auch auf Vorläufer (ALIWEB/IAFA Templates)
und Metadaten-Anwendungen im Bereich electronic commerce (IDML).
Von großer Bedeutung für die Wissensorganisation ist das Metadaten-Attribut
DC.subject in Verbindung mit der Schema-Qualifikation, z.B:
<META name="DC.subject" scheme="DDC" content="541.34">
Damit ist es möglich, bei der Inhaltsbeschreibung Deskriptoren oder Klassen
anzugeben, die den referenzierten Schemata zur Wissensorganisation entstammen.
Für ein umfangreicheres Beispiel vgl. die Metadaten zum
"Knowledge Organization on Internet" Mini-FAQ
http://www.isko.org/wiss-org.faq.html
Um der Proliferation neuer KO-Schemata vorzubeugen, empfiehlt sich die
Einführung eines Registries für KO-Schemata, die in Metadaten über
Internet-Quellen verwendet werden können. Dies wurde prototypisch begonnen
unter
http://www.isko.org/ko-schemata.html.
Will man jedoch Informationsagenten einsetzen, reicht es nicht mehr aus,
wenn die Schemata nur maschinenlesbar vorliegen. Zusätzlich braucht
es formaler Definitionen ihrer Einträge. Dergestalt wandeln sich Thesauri
und Klassifikationen zu Ontologien als Spezifikation einer Konzeptualisierung
zum Zwecke der Verständigung. Im Bereich Wissensrepräsentation existieren
hierzu einige Systeme und Sprachen (z.B. KSL Ontology Server, Ontolingua).
Den Abschluß bildete die Besprechung von SHOE (Simple HTML Ontology
Extension), einer HTML-Erweiterung, welche Autoren sowie Dritten wie
z.B. Clearinghouses erlaubt, Dokumente mit semantischem Wissen anzureichern.
Es wird verschiedentlich an Informationsagenten gearbeitet, die derartige
Auszeichnungen generieren und interpretieren koennen.
Es ist angedacht, in Verbindung mit einem Clearinghaus (über die
Konvertierung bisheriger Dokumentrepräsentationen in ein aktuelles
Metadaten-Format mittels entsprechender Werkzeuge hinausgehend) mit der
strukturierten Beschreibung von Quellen durch Einheiten aus formaleren
Ontologien zu experimentieren und so auch der Frage näherzukommen, welchen
Beitrag die Wissensorganisation zur Ordnung vernetzter Dokumente und Dienste
leisten kann und inwiefern sie sich wie wandeln sollte.
H. Peter Ohly / Alexander Sigel
weitere Verweise:
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